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Max im Glück

Da war am Anfang nur der unbedingte Wille, diesem kleinen herrenlosen Hund zu helfen, der weit weg von uns in Lanzarote lebte, den wir nie gesehen haben, der aber durch die Erzählungen einer Freundin, die ihm während eines Ferienaufenthaltes in ihrer Hotelanlage von Lanzarote begegnet war, unwiderruflich und jeden Tag mehr und mehr in unserer Vorstellung Gestalt annahm.

Dieser kleine Hund schlug sich als Entertainer der Hotelanlage durch, verbreitete mit seinen Späßen überall viel gute Laune, raste mit den Kindern um die Wette, holte verlorengegangene Bälle zurück und bekam dafür von diesen ein wenig Futter zugesteckt. Trotz aller Sympathien, die er bei den Hotelgästen besaß, war es für die Hotelleitung dennoch beschlossene Sache, daß er von der Hotelanlage verjagt würde, sobald die Hauptsaison vorbei war. Solange wurde er noch mit Rücksicht auf die Gäste geduldet. Welches Schicksal dann auf ihn wartete, wussten wir mittlerweile genau, entweder verhungern, überfahren werden oder von Hundefängern weggefangen und getötet werden.

Dies wollten wir jedoch mit allen Mitteln verhindern. Maxi, wie wir ihn inzwischen getauft hatten, mußte nach Deutschland in Sicherheit gebracht werden. Drei Dinge waren zu seiner Rettung unbedingt erforderlich: Erstens musste eine sehr nette Familie gefunden werden, die Max ein glückliches Zuhause bieten konnte, wenn er hier ankam. Zweitens musste irgend jemand gefunden werden, der notfalls nach Lanzarote flog und Max in dem Hotel suchte und fand (ein Photo hatte meine Freundin aus Lanzarote mitgebracht). Und drittens mussten Mittel und Wege gefunden werden, Max per Flugzeug nach Deutschland zu bringen. Vier Wochen lang telefonierte ich mit unglaublich vielen Menschen, den Hotelangestellten in Lanzarote, Tierschutzorganisationen, Fluggesellschaften, Reisebüros, Flughafenbüros und mit Leuten, die sich auf meine Anzeige hin sofort bereit erklärt hatten, gegen einen Freiflug nach Lanzarote Max auf dem Rückflug mit nach Deutschland zu bringen.

Es war eine verflixt schwierige Situation: Würde die nette Familie, die ich für Max gefunden hatte, wirklich noch zur Verfügung stehen, wenn Max in Deutschland ankam, nachdem schon einige Wochen nur mit vagen Versprechungen, dass Max bald kommen würde, vergangen waren? Würde der Beauftragte, der Max in Lanzarote ausfindig machen sollte, ihn überhaupt finden, wenn er dort ankam? Würde er alle notwendigen Formalitäten und das Einchecken ins Flugzeug allein bewältigen können? Würde Max die ganze Prozedur überhaupt mitmachen?

In dieser Situation mit ungewissem Ausgang half etwas, das ich oben als vierten und wichtigsten Punkt vergessen habe: Ich will es einfach Vorsehung nennen, dass ich Anita K.  von der Tierhilfsorganisation SARA in Lanzarote kennenlernte. Es war wie ein Wunder, und alles ging dann unheimlich schnell. Wenige Minuten, nachdem ich bei der deutschen SARA-Vereinsstelle in Mal meine Probleme geschildert hatte, rief Anita Karat aus Lanzarote an, am nächsten Tag hatte sie Max schon gesichtet, dann wurde er ganz schnell geimpft, bis zu seiner Abreise noch ein paar Tage bei einer netten Dame in Lanzarote untergebracht und dann mit einer Touristin aus Köln, die nach Deutschland zurückflog, auf die große Reise gebracht. Die letzte Meldung aus Lanzarote lautete: "Max reist mit Frau Harzig – Flug LTU-LT 0703 – Köln, Abflug 19.50 Uhr– Ankunft 00.50 Uhr."

Und dann war er da, der kleine Max. Aus dem großen Transportkäfig lugte nur das weiche dunkle Mäulchen hervor und bohrte sich vertrauensuchend in meine Hand. Nachts halb drei wurde er seinen neuen Besitzern in Krefeld übergeben. Und innerhalb von 20 Minuten hatte Max alles Notwendige erledigt und seine neue Welt fest im Griff: 5 Pfützchen, 1 Hundemahlzeit, 1 Häufchen, 1 Rundgang durch den Garten, Inspektion der Küche – und sein neues Zuhause gehörte ihm.

Sein großes Glück lernte Max in den nächsten Tagen kennen, als er die liebevolle Zuwendung seiner neuen Besitzer entdeckte. Ich danke allen, die dies ermöglicht haben: Anita Karar in Lanzarote für ihre tatkräftige Hilfe und Familie Kuhnes in Krefeld für die liebevolle Aufnahme von Max. Und, beinahe hätte ich’s vergessen, Max, der alle Situationen mit der charakterlichen Stärke eines echten Lanzarote-Hundes meisterte.

(Sybille Mehlhorn, Krefeld)