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Alptraumurlaub auf Lanzarote

Dieses Jahr (Oktober 1996) entschieden wir, mein Mann Peter und ich, uns, unseren Urlaub in Puerto del Carmen auf Lanzarote zu verbringen. Die Koffer waren schon gepackt und unsere beiden Katzen versorgt. Endlich ging es bei der ITS, mit der LTU gebucht, Richtung Süden. Der Flug war angenehm und unser Transfer zu der Bungalowanlage Hyde Park Lane kurz.


Unsere Anlage war sehr schön, aber das menschliche Verhalten gleich einer Katastrophe! In der Anlage befanden sich ungefähr 35-40 Katzen, davon waren ca. 90% der Tiere krank. Hier waren alle Katzenkrankheiten vertreten, angefangen bei Ungeziefer über Katzenschnupfen bis zu der Katzenseuche. Uns standen die Tränen in den Augen – so viel Elend auf einmal! Hier konnten wir alleine nichts ausrichten. Viele andere Urlauber und wir fütterten die Tiere.

Zwei auf Lanzarote lebende Deutsche sprachen wir auf örtliche Tierhilfe an. Wir erfuhren, dass es auf der Insel eine deutsche Tierhilfestation gibt, diese aber für die Tiere nicht viel unternehmen könnte. Die nächste Information war wie ein Schock für uns. Auf der Insel gibt es vier bekannte Todeskammern, in denen Tiere (Hunde und Katzen) getötet werden. So hatten wir uns unseren Urlaub nicht vorgestellt. Ich heulte, auf deutsch gesagt, Rotz und Wasser. Man sah zwar, dass bei einigen Tieren nur noch das Einschläfern die einzige Lösung war, aber auch die gesunden Katzen wurden eingefangen.

Den drei kleinen Katzen, die sich unmittelbar auf unserer Terrasse aufhielten, gaben wir die Namen Laura, Lisa und Max. Auch die Katzeneltern, die sich hin und wieder bei uns sehen ließen, bekamen Namen. Wir versorgten die Tiere, so weit wir nur konnten, reinigten jeden Tag, mit warmem Wasser, die Augen und Ohren der Tiere und fütterten sie. Gott sei Dank trafen wir auf dem Markt in Teguise zwei Mitglieder der Tierhilfe "SARA", die dort einen Stand hatten. Diese sahen sich am nächsten Tag unsere Anlage mit dem ganzen Elend der Tiere an und nahmen gleich einige Katzenbabys mit, um diese zu versorgen. Von acht Katzenbabys, aus verschiedenen Würfen, brauchte nur ein blindes Kätzchen eingeschläfert zu werden. Auch Laura und Lisa wurden mitgenommen, aber wir wussten, dass diese in guten Händen waren. Es ist unbeschreiblich, wie sehr sich Christa, ein Mitglied von "SARA", in ihrer Freizeit für die Tiere opfert.

Johanna und ihr Mann, auch Mitglieder von "SARA", nehmen Hunde- und Katzenwelpen auf. Die Tiere werden unter ärztlicher Aufsicht gepflegt. Die beiden vermitteln und transportieren die mit Impfpass versehenen Tiere nach Deutschland. Auch andere Mitglieder von "SARA" unterstützen diese Aktionen.

Uns blieben zur Weiterpflege der kleine Max und andere Katzen. Mäxchen bekam Spritzen, Antibiotika und Futter. Nach 19 Tagen war er topfit, unser Sonnenschein, und wir hatten große Freude an ihm.

Am Montag sollte Mäxchen von Christa abgeholt werden, weil wir den Tag darauf nach Hause flogen. Aber Mäxchen war verschwunden. Wir suchten unsere und andere umliegende Anlagen ergebnislos ab.

Da kommt in einem eine unbeschreibliche Wut auf. Tiere auf eine so grausame Weise zu töten, bringt uns unserem Ziel, die Probleme aus der Welt zu schaffen, nicht näher. Wir haben uns elendig gefühlt. Auf dieser so wunderschönen Insel einer so grausamen Welt zu begegnen, haben wir nicht erwartet.

Wir sprachen die Reiseleitung auf diese Thema an. Als Antwort bekamen wir: "Die Direktion der Anlage wünscht sich keine Tiere hier. Die Situation war noch vor ein paar Wochen katastrophal, und jetzt ist es hier das reinste Paradies." Das ist eine wortgetreue Antwort der Reiseleitung.

Da Christa weiter die restlichen Katzen in der Anlage versorgt, versprach sie uns, Ausschau nach Mäxchen zu halten. Aber er war wohl bei der letzten Tötungsaktion dabei, Mäxchen wurde nicht mehr gefunden.

Wir konnten nicht mehr die Augen vor der Wahrheit verschließen. Peter und ich sind Mitglieder bei der Tierhilfe "SARA" geworden. Wir sprechen Verwandte, Bekannte und Arbeitskollegen auf dieses Problem an. Viele wissen nicht, dass in den südlichen Ländern Tiere auf diese Art und Weise getötet werden.

Dass man dieses Problem mit der Sterilisation und Kastration der Tiere lösen könnte, so weit denken sie dort nicht. Haben die Menschen, die wegschauen und morden, statt eines Herzen einen Stein in der Brust schlagen?

Zur Zeit unterstützen wir die Unterschriftenaktion, die auf die Misere der herrenlosen Katzen und Hunde auf Lanzarote aufmerksam machen soll. Die Unterschriften sollen dem zuständigen Präsidenten zusammen mit der Presse überreicht werden.

Wir hoffen, dass sich die Initiativen lohnen werden und dass das ganze Elend auf der ganzen Welt irgendwann einmal ein Ende haben wird.


Zum Schluss noch ein Zitat von Leonardo da Vinci:
"Der Tag wird kommen
an dem das Töten eines Tieres
genauso geahndet wird
wie das Töten eines Menschen"